Die Opferbilanz beim Semmeringbahnbau

‚Es ist selten möglich, einen großen Zweck zu erreichen, ohne Opfer zu bringen’

Diesen Satz formulierte Ghega in seinem Buch ‚Übersicht der Hauptfortschritte des Eisenbahnwesens in den Jahrzehnten 1840-1850 und die Ergebnisse der Probefahrten über den Semmering’. 

Er meinte damit offensichtlich nicht nur seine persönliche Hingabe, den Einsatz seiner Ingenieure und Arbeiter oder die bedeutenden Finanzmittel, die in den Bau der Semmeringbahn einflossen, sondern sicher auch die Opfer an Menschenleben, die der Bahnbau forderte – hatten doch erst kurze Zeit vor dem Erscheinen des Buches die schrecklichen Cholera-und Typhusepidemien auf den Baustellen der Semmeringbahn ihr Ende gefunden.

 

Von den gezählten 1.718 Toten kamen ums Leben:

  • 61,52% durch verschiedene Krankheiten
  • 33.30% durch Seuchen und
  • 5,18% durch Arbeitsunfälle,

darunter 936 Männer, 286 Frauen und 496 Säuglinge und Kleinkinder.

Die meisten Toten wurden in den Jahren 1850 – 1852 registriert und man kann annehmen, dass die Friedhöfe der Umgebung die insbesondere durch Seuchen verursachten Toten nicht mehr aufnehmen konnten.

gustaf mayerhold

Gustaf Mayerhold, Arzt beim Semmeringbahnbau überlieferte folgende Erinnerung:

„Die Arbeiter beim Bahnbau waren größtenteils Italiener, Böhmen und Kroaten. Typhus, Cholera und Skorbut wüteten unter denselben. Die schlechten Ernährungs- und Wohnverhältnisse waren davon die Hauptursache. „Um mich vor Ansteckung zu schützen, rauchte ich fortwährend und ließ aus gleichen Gründen auch mein Wärterpersonal fortwährend rauchen indem ich dieselben fortwährend mit Cigarren versorgte. Trotz der dauernden Gefahr der Ansteckung blieben wir dank dem Tabakrauche frisch und gesund“.

Am 16. August richtete der Pfarrer von Payerbach, Martin Rosenau, folgenden Brief an die Erzdiözese Wien:

In der Umgebung von Klamm fängt die Cholera an, unter den dortigen Arbeitern furchtbar um sich zu greifen und es sind bereits täglich so viele Leichen, dass sie der dortige Friedhof, der an sich schon für die einheimische Bevölkerung zu klein ist, in einigen Tagen nicht mehr aufnehmen kann. Es ist daher schnell ein eigener Notfriedhof errichtet und mit einem Zaun umgeben worden“.

 

Seither besteht auf einer großem abfallenden Wiese unterhalb der Ruine Klamm ein heute nicht mehr kenntliches Leichenfeld, dass wegen der dort bestatteten Seuchenopfer von der einheimischen Bevölkerung als ‚Pestfriedhof’ bezeichnet wird. Nur mehr ein Denkstein erinnert daran, dass hier vor über 160 Jahren über eintausend Bahnarbeiter und ihre Angehörigen die letzte Ruhestätte gefunden haben.

kontakt: info@tourismus-payerbach.at

Foto: Prof. Robert Pap – Bergbau- und Heimatmuseum Reichenau/Rax